Viel Sympathie für Langstrasse

Anwohner der Langstrasse sind laut einer Umfrage überraschend zufrieden mit ihrer Wohnsituation. Hauptproblem bleiben die Drogen. Bedenken gibt es auch wegen «Yuppisierung».

200 Bewohnerinnen und Bewohner des Langstrassenquartiers im Kreis 4 haben die Abteilungen Stadtentwicklung und Gemeinwesenarbeit im letzten Februar zum Leben im Quartier befragt. Fazit: «Trotz Belastungen und Problemen, die von den Befragten dem Quartier zugeschrieben werden, leben über 90 Prozent von ihnen sehr gerne oder gerne im Quartier und möchten auch hier bleiben», heisst es im gestern veröffentlichten Bericht zur Umfrage. Positive Entwicklungen des Quartiers würden häufiger hervorgehoben als negative Sachverhalte. Nur ein kleiner Teil der Befragten möge das Quartier nicht (7 Prozent) und würde gerne wegziehen.
Die Drogensituation wird von der Mehrzahl (63 Prozent) als Problem Nummer 1 wahrgenommen, was laut Bericht Ausdruck der weiterhin «hohen Sichtbarkeit» des Problems ist. Allerdings schlagen die Befragten mehrheitlich niederschwellige Angebote und unterstützende Massnahmen für Drogensüchtige statt repressive Massnahmen vor. An zweiter Stelle in der Rangliste der Quartierprobleme folgt die Prostitution und ihre Auswirkungen. Auch der motorisierte (Schleich-)Verkehr ist ein immer wieder genanntes Negativthema.

Trümpfe: Billige Wohnungen, Vielfalt
Im Gegensatz zur Aussenwahrnehmung des Quartiers ist Angst für die Bewohnerschaft grossmehrheitlich keine relevante Grösse. 70 Prozent der Befragten geben an, im Quartier überhaupt keine Angst zu haben. Zum Teil Widersprüchliches förderte die Umfrage zur Polizeipräsenz im Quartier zu Tage. So wird einerseits häufig Kritik am polizeilichen Vorgehen geübt, andererseits aber auch mehr Polizeipräsenz in der Nacht gefordert.
Das Angebot an günstigen Wohnungen ist der am häufigsten genannte Grund für die Wahl des Wohnortes Langstrassengebiet. Fast ebenso oft werden Lebendigkeit und Multikultur sowie das vielfältige Kultur- und Ladenangebot als Grund für den Zuzug genannt. Deutlich zum Ausdruck kommt in der Umfrage aber auch eine Angst vor Verteuerung des Wohnraums und davor, dass die Aufwertung des Quartiers kippen und die Langstrasse «seefeldisiert» werden könnte. «Eine Gentrifizierung respektive Yuppisierung des Quartiers wird von vielen befürchtet und explizit nicht gewünscht», heisst es. Von der Umfrage erhofft sich die Stadt Hinweise auf weitere Schritte für das Aufwertungsprojekt Langstrasse Plus.

Tages-Anzeiger, 25.10.2007