Fette-Mieten-Partys in Zürich

In den letzten zwei Wochen wurden in Zürich die ersten beiden «Fette-Mieten-Party» gefeiert. Damit macht das stadt.labor auf die steigenden Mieten in Zürich aufmerksam, fordert von den Behörden Massnahmen gegen die Mietzinsnot und von den Vermietern mehr soziale Verantwortung.

Mit Sektflaschen, Ballonen und Party-Musik haben «Wohnungssuchende» in den letzten 10 Tagen zweimal an einer Besichtigung einer Luxuswohnung teilgenommen und in dieser eine Fette-Mieten-Party gefeiert. Da sich die Teilnehmenden einen monatlichen Mietzins von 5000 Franken nicht leisten können, tanzen sie gegen den Mietzinswucher. Der vom stadt.labor initiierte Wohnungsbesuch – übrigens ein legaler Akt, der in beiden Fällen friedlich zuende ging – will auf die hohen Abzockermieten in der Stadt Zürich aufmerksam machen. Vorbild bildet die Gruppe «Jeudi-Noir», welche in Paris seit Winter 2006/07 Partys an Wohnungsbesichtigungen durchführt. Bereits an der zweiten Party haben die Teilnehmenden spontan ein eigenes Soundsystem, eine Tischbombe und Sekt mitgenommen – die Abzockerpartys verselbständigen sich langsam. Auch auf der Ausgangsplattform ronorp wird heftig über den Sinn und Unsinn der Fette-Mieten-Partys diskutiert. Weitere Aktivitäten sind in Planung.
Die TeilnehmerInnen der Fette-Mieten-Party möchten mit der unkonventionellen Aktionsform auf die sich zuspitzende Mietzinsproblematik aufmerksam machen. «Wir fordern die Vermieter zu mehr sozialer Verantwortung auf und verlangen von den Behörden konkrete Massnahmen gegen die Mietzinsnot», so ein Aktivist vom stadt.labor. «Wenn die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt so weiter geht, werden Wohnungen in zentrumsnahen Quartieren bald nur noch für Grossverdiener bezahlbar.» Das besuchte Objekt hat bis vor kurzem noch dem Kanton Zürich gehört, Anfang Jahr wurde das fünfstöckige Haus für 5 Millionen an den Meistbietenden versteigert. «Damit macht sich der Kanton zum Spekulant und nimmt seine soziale Verantwortung in keiner Weise wahr», so ein Mitglied der stadt.labors an der heutigen Party gegen Fette-Mieten.
Die Mietzinse von Wohnungen aller Grössenordnungen sind in Zürich zwischen Dezember 2000 und Dezember 2006 um 9 bis 18 Prozent gestiegen (Mietpreis-Strukturerhebung 2006). Zum Vergleich: Die allgemeine Teuerung in der Schweiz betrug in demselben Zeitraum bloss 5,5 Prozent; gleichzeitig stagnieren die Reallöhne in der Schweiz für die grosse Mehrheit! Auf den öffentlichen Wohnungsmarkt kommen praktisch nur teure Wohnungen. Wer beispielsweise am 1. April 2008 auf www.homegate.ch eine 4- bis 5-Zimmerwohnung gesucht hat, fand lediglich 13 Objekte unter 2000 CHF und dafür 31 über 4000 CHF (die günstigste war 1642 CHF, die teuerste 12′500 CHF).

stadt.labor, April 2008